fünfte fassade
prozessorientierter stadtboden für die fussgängerzone, ingolstadt (d)
2014

historische kulisse . die innenstadt ingolstadts ist geprägt durch intakte historische fassaden. mit der neugestaltung der fussgängerzone soll dieses charakteristikum zum imageprägenden alleinstellungsmerkmal ausgebaut werden. das markante fassadenbild der angrenzenden gebäude-fassaden wird gestaltstiftend für die oberflächenerscheinung des neuen stadtbodens. im reihenverband prägen sich einprägsame fensterlaibungen in form von großformatigen ankerplatten ab und nehmen damit die massstäblichkeit der unmittelbaren umgebung auf. als urbaner teppich spannt sich der stadtboden von fassade zu fassade - barrierefrei und variabel bespielbar. zugleich bildet er einen gegenwartszustand sowie die historie im stadtbild ab. geschichte schafft neue ankerpunkte. innerhalb der von ost nach west ausgerichteten fußgängerzone definieren die fensterproportionen der fassaden mögliche bespielbare flächen - die höhe der gebäude sowie ihr schattenwurf definiert die lage der durchgängigen, mäandrierenden hauptbewegungszone und bieten parallel dazu aufenthaltsqualität im öffentlichen raum an. historische kullisse und zeitgemässer stadtboden ergänzen sich zu einem ensemble in der masstäblichkeit der altstadt. durch diesen gliederungsvorschlag ergibt sich eine neue choreographie des öffentlichen raums: geradlinige bewegungsabläufe werden zu einem neuen, mäandrierendem einkaufserlebnis arrangiert, besonnte und beschattete aufenthaltsbereich bieten ihren nutzern die beiden archetypischen qualitäten an.

urbanes terroire . der stadtboden spannt sich als grundraster von haus- zu hauskante. in der farbgebung bedient er sich aus dem farbkatalog der stadt und gliedert sich so selbstverständlich in das freiraumsystem ingolstadts ein. er erfährt eine rhythmisierte gliederung in einem schattierten farbspiel. dabei stehen kostenneutral vielfältige belagsvarianten offen. sie können in einem dialog mit der bürgerschaft am modellausschnitt zu einem demographischen pflaster-parkett weiterentwickelt werden. die südexponierte, sonnenbeschienene seite der fußgängerzone ist tendenziell mit dunklerem stein-pixel ausgekleidet als das nordexponierte gegenüber, so dass sich ein zurückhaltender, ganzheitlicher raumeindruck in enger wechselwirkung mit den historischen fassaden einspielt. interaktive vorleger - walk of Ingolstadt . der belag integriert das prinzip der partizipativen vorleger: vor den hauseingängen sind “inlays” in den stadtboden eingelassen. sie können farblich akzentuiert werden und erzählen die geschichte der anwohner oder betreiber als interaktives element, welches auf veränderungen reagieren kann und auch ausserhalb der geschäftszeiten ein urbanes flanieren im sinne des stadtentdeckens attraktiviert.

beteiligung, inbesitznahme . im beteiligungsprozess werden einzelne funktionseinheiten des stadtbodens mit programmen angereichert. ein ankersystem ermöglicht flexible und variable nutzung: kommerzfreie aufenthaltsbereiche, repräsentative oder spielerisch erlebbare wasserflächen, ergänzende baumpflanzungen und vorleger mit stadthistorischen bezügen oder motiven zu den betreibernutzungen. das grundgerüst der pflasterung kann prozesshaft befüllt werden - so werden bestandsmöbel, beleuchtung und vorhandene gehölze einfach in die neue gestaltung integriert und in langfristigen zyklen ergänzt und getauscht. ein modulsystem des entwurfs ermöglicht einen prozesshaften übergang zu neuer leichtigkeit für das möblierungskonzept. konzept4

auftraggeber: stadt ingolstadt
größe: 2ha
leistungsumfang: wettbewerbsbeitrag

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